Motoren einfahren

Umgang mit Motoren

Grundlegende Hinweise zum Umgang mit Motoren

Alle hier gemachten Hinweise basieren auf unseren jahrelangen Erfahrungen und unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Somit ist die Kopie und/oder Weitergabe nur mit unserer schriftlichen Erlaubnis gestattet. Außerdem sind diese Angaben ohne Gewähr.

1) Das Einfahren von neu aufgebauten Motoren bedarf besonderer Obacht:

Die neuen Bauteile wie z. B. Kolbenringe, Zylinder, Lager, Ventiltrieb usw. müssen erst eingefahren werden, damit sich die Bauteile im Einlaufprozess einschleifen. Dabei entstehen Veränderungen an den Bauteilen im Mikrobereich. Wir verwenden für diesen Einlaufprozess besondere Öle und Additive. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass der neue Motor vorab auf Betriebstemperatur (Öltemperatur min. 80°C) gebracht wird. In den nächsten gefahrenen 500 km darf unter keinen Umständen der Motor über eine Drehzahl von 3000 U/min gebracht werden! Zusätzlich wird ein Abkühlen im Leerlauf des Motors vor dem Ausschalten empfohlen.

Zusätzliche Einfahrempfehlungen sind:

  • ­Fahrzeug nicht voll beladen
  • Beim Fahren die Gänge zügig hoch schalten und untertourige Fahrzustände vermeiden
  • Keine längeren Bergauffahrten (zu viel Last)
  • Keine längeren Bergabfahrten (zu wenig Last)
  • Keine Benutzung von Motorbremseinrichtungen
  • Keine Autobahnfahrt mit hoher Geschwindigkeit fahren
  • Vermeidung von Fahrten auf Staustrecken. Überlandfahrten und flüssiger Stadtverkehr sind vorteilhaft.
  • Ständige Überprüfung des Ölstandes (alle 50 bis 100Km)
  • Motor nicht mit Öl überfüllen.

2) Motor nicht im Leerlauf „einfahren“

Oftmals wird der Motor in der Einlaufphase stundenlang im Leerlauf betrieben. Die Aussage ist, dass der Motor durch diese Einlaufmethode geschont und nicht belastet wird und somit Schäden vermieden werden. Jedoch kann diese Methode zu starkem Verschleiß bzw. Schäden führen.

Die Probleme im Leerlauf sind:

  • Die Ölpumpe erzeugt mangels niedriger Drehzahl zu wenig Druck und liefert nicht genügend Öl an Schmierstellen.
  • Die Gleitlager werden nicht richtig geschmiert und gekühlt. Schmutz und Einlaufabrieb wird nicht aus den Lagerstellen gespült.
  • Es gelangt zu wenig Spritzöl auf die Zylinderwand. Schmutz und Abrieb werden nicht abgewaschen und verursachen bereits jetzt erhöhten Verschleiß und auch Schäden.
  • Das Druckventil für die Kolbenspritzkühlung öffnet im Leerlauf nicht. Der Kolben wird nicht gekühlt und zu wenig abtropfendes Öl führt zu Mangelschmierung am Kolbenbolzen und der Pleuelbuchse.
  • Turbolader werden schlecht geschmiert und gekühlt. 20 Minuten Leerlaufbetrieb sind für einen Turbolader bereits schädlich.
  • Andere mit Drucköl versorgte Bauteile, wie Ventile, Nockenwelle und Kipphebel, werden zu wenig oder gar nicht mit Öl versorgt.
  • Kolbenringe können im Leerlauf keine 100%-ige Abdichtung gewährleisten. Heiße Verbrennungsgase blasen durch, heizen die Zylinderwand auf und schädigen den Ölfilm. Es kann auch im ungünstigsten Fall in den Brennraum gelangen und somit Blaurauch aus dem Auspuff verursachen.

3) Getunte Motoren haben eine verkürzte Lebenszeit:

Höhere Motorleistungen werden z. B. durch Erhöhung des Ladedrucks erreicht. Es ist nur logisch, dass ein Motor, welcher vorher 100 PS Leistung abwarf und jetzt auf eine doppelte Leistung von 200 PS gebracht wurde, auch eine kürzere Lebenszeit haben muss. Die Beanspruchung der Bauteile ist in diesem Beispiel ja doppelt so hoch wie bei einem 100-PS-Aggregat. Wir verstärken natürlich verschiedene Bauteile am und im Motor, damit die höhere Leistung überhaupt erst möglich ist, dennoch ist die Lebenszeit im Gegensatz zu einem leistungsschwächeren Motor immer kürzer.

4) Hohe Drehzahlen und drehen in den Drehzahlbegrenzer sind extrem schädlich:

Je höher die Motordrehzahl, umso höher auch die Beanspruchung und der Verschleiß. Also verkürzt sich die Lebenszeit des Motors mit zunehmender Drehzahl bzw. der Häufigkeit von hohen Drehzahlen.

5) Warm- und Kaltfahren der Motoren ist extrem wichtig:

Besonders beim Kaltstart des Motors sind diverse Bauteile wie z. B. Kolben, Lager und Schmierstoffe noch nicht auf Betriebstemperatur. Von daher sind in der Warmlaufphase hohe Drehzahlen (über 3000 U/min) zu vermeiden. Erst ab einer Öltemperatur von über 80°C kann der Motor auch in höhere Drehzahlen gebracht werden. Die Öltemperatur sollte 110°C nicht übersteigen. Ideal ist der Messpunkt für die Öltemperatur im Motorblock und nicht an externen Punkten wie z. B. am Ölkühler. Ebenso wichtig ist die Kühlwassertemperatur. Diese sollte stets im Auge behalten werden und darf nicht in den roten Bereich kommen. Ebenso wichtig ist eine ordentliche Abkühlphase des Motors. Besonders bei warmen Umgebungstemperaturen und/oder nach rasanter Fahrweise wie z. B. auf Rennstrecken darf der Motor nicht direkt ausgeschaltet werden! Der Motor muss erst durch Fahrweise im unteren Drehzahlbereich und/oder Leerlauf des Motors abgekühlt werden. Sprich es sollten sowohl Öl- als auch Wassertemperatur auf ein Niveau von ca. 80°C gebracht werden, bevor der Motor ausgeschaltet wird. Dies geschieht unter anderem zum Schutz der inneren Bauteile, als auch zum Schutz des Turboladers, um z. B. Schäden durch Überhitzung (Standhitze) zu vermeiden. Daraus ergibt sich auch, dass Kurzstreckenbetrieb (z. B. 5 Minuten Fahrt zum Bäcker) für jeden Motor schädlich ist, da die Betriebstemperaturen nicht erreicht werden. Es empfiehlt sich der Einbau einer Standheizung, um die Warmlaufphase zu verkürzen. Motorstarts bei niedrigen Außentemperaturen gilt es prinzipiell zu vermeiden.

6) Launch Control, Anti-Lag, Wassereinspritzung, Beschleunigungsrennen und weitere Spielereien gilt es zu vermeiden:

Es gibt diverse Features, um die Motorleistung anzuheben oder das Ansprechverhalten des Motors oder Turboladers zu verbessern. Funktionen wie diese sind für den Motor und weitere Bauteile extrem schädlich und führen sehr schnell zu unvorhersehbaren Schäden bis zum Totalausfall des Triebwerks. Diese Funktionen haben ihren Ursprung im Rennsport, wo Motoren und Rennfahrzeuge meist nur für ein Rennen gebaut worden sind. Im Rennsport wird die höchste Leistung auf kürzester Zeit abgefragt. Dort spiel Geld meist keine so große Rolle und Motoren und Fahrzeuge werden nach den Rennen komplett durch neue Bauteile ersetzt.

7) Serviceintervalle müssen früher erfolgen:

Der Austausch der üblichen Verschleißteile wie z. B. Zündkerzen, Motoröl, Zündspulen, Lagerschalen, Zahnriemen oder Ketten muss früher erfolgen, da die Belastung dieser Komponenten bei steigender Motorleistung wesentlich höher ist und somit deren Lebenszeit verkürzt ist. Wir empfehlen, pauschal die Serviceintervalle spätestens nach 5000 km durchzuführen.

8) Nebenaggregate wie Kupplung, Getriebe, Motorlager, Antriebsstrang usw. sind zwar vom jeweiligen Hersteller aus mit Leistungsreserven nach oben kalkuliert:

Jedoch sind dort natürlich auch Grenzen zu beachten. Hier spielt der Faktor „Umgang“ ebenfalls eine wichtige Rolle. Sofern es verstärkte Bauteile auf dem Markt gibt, sollten diese auch verbaut werden. Gibt der Markt solche Bauteile nicht her, sollten die originalen Komponenten verbaut werden und nicht etwa günstigere Zubehörteile, um Qualitätsunterschiede auszuschließen. Auch hier müssen die Serviceintervalle deutlich verkürzt werden, um etwaigen Schäden vorzubeugen.

9) Inbetriebnahme eines neu aufgebauten Motors:

Vor dem ersten Start eines neuen Treibwerks sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Bitte die fahrzeugspezifischen Vorschriften des Herstellers beachten
  • Motor mit speziellem Einlauföl auf ca. 80 % des Ölpeilstabes auffüllen
  • Kühlwasser mit dazugehörigem Additiv auf Markierung auffüllen
  • Zündkerzen ausbauen und Steckerverbindung der Einspritzventile trennen
  • Motor bei durchgetretener Kupplung ca. 10 bis 15 Sek. starten
  • Ölstand kontrollieren und ggf. nachfüllen
  • Nochmals Motor ca. 20 bis 30 Sek. starten, bis Öldruckkontrollleuchte erlischt
  • Ölstand kontrollieren und ggf. nachfüllen
  • Zündkerzen montieren und Einspritzventile anschließen
  • Motor starten und bis ca. 80°C Öltemperatur im Leerlauf laufen lassen
  • Danach wieder alle Flüssigkeiten kontrollieren und Fehlerspeicher auslesen
  • Probefahrt durchführen
  • Nach mindestens 500 km Einfahrzeit das Öl wechseln
  • Ideal ist auch das Aufschneiden des Ölfilters, um diesen auf Fremdpartikel hin zu untersuchen.
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